Fürther Jusos • 1. August 2016

Vierter SPEAK OUT der Jusos: Junge Fürtherinnen und Fürther leben gern in Fürth, wünschen sich aber mehr Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote

Von Matthias Dornhuber

Zum vierten Mal veranstalteten die Fürther Jusos in der vergangenen Woche einen SPEAK OUT: ein Forum für politisch interessierte junge Menschen, die in ungezwungener Atmosphäre mit anderen über die Themen sprechen wollen, die ihnen wichtig sind. Während der Veranstaltungsort mit dem Herr & Kaiser in der Südstadt neu war, blieb der Aufbau gleich. Abstimmungen ermöglichten einen schnellen Überblick über die vorherrschenden Positionen, und offene Diskussionen boten Gelegenheit zum Austausch bis in die Details. Neben vorbereiteten Blöcken konnten auch die Teilnehmer Themen einbringen, wovon rege Gebrauch gemacht wurde. Ein solches Thema war das aktuelle Smartphone-Spiel "Pokémon GO": Knapp die Hälfte der Anwesenden sah es als Segen für junge Leute, die sich mehr bewegen, an die frische Luft gehen und lohnenswerte Orte entdecken, die bisher eher links liegen blieben. Nichtsdestotrotz wurde das Verhalten einzelner Spieler kritisiert: Dass man sich auf Friedhöfen still und angemessen verhält, um Trauernde nicht zu stören, oder seinen Müll nicht auf öffentlichen Grünfläche liegen lässt, sei eine Frage respektvollen Verhaltens gegenüber anderen insgesamt und guten Benehmens, und gegenteilige Verhaltensweisen nicht dem Spiel anzulasten.

Im ersten Themenblock beschäftigten sich die jungen Fürtherinnen und Fürther mit ihrer Heimatstadt: Fast alle Anwesenden gaben an, gerne in Fürth zu leben. Obwohl alle mit der Entwicklung der Fürther Innenstadt zufrieden waren, beklagte mehr als die Hälfte, dass man in Fürth trotzdem immer noch nicht gut einkaufen kann. So verwundert nicht, dass ebenfalls mehr als die Hälfte die Meinung vertrat, die Fläche des City Centers werde unbedingt für weitere Läden gebraucht – allerdings nur, sofern es sich wirklich um bisher nicht in Fürth vertretene Anbieter handelt und nicht lediglich bereits bestehende Läden umziehen. Bei der Frage nach Freizeitangeboten für junge Leute war je ein Drittel mit der Situation zufrieden bzw. nicht zufrieden – und das letzte Drittel gab an, sich dazu aus Mangel an Informationen keine Meinung bilden zu können. Ebenfalls ein Drittel war der Meinung, dass man in Fürth gut ausgehen kann, allerdings hauptsächlich wenn es um gemütliche Kneipenabende geht. Dass es in Fürth keine Discotheken oder ein Kulturzentrum mit Konzerten und Parties gibt, wie es in Erlangen mit dem E-Werk existiert, wurde bedauert. Einstimmig war man sich einig, dass der Lärmstreit die Fürther Gustavstraße in ihrer Existenz gefährdet und dass ein Außenausschank dort, am Waagplatz und am Grünen Markt auch an Werktagen mindestens bis 23 Uhr möglich sein müsste.

Der zweite Themenblock zeigte, dass die jungen Fürtherinnen und Fürther auch die Weltpolitik durchaus differenziert sehen: Während die Hälfte der Anwesenden glauben, dass Hillary Clinton die nächste Präsidentin der USA werden wird, war jeweils ein Viertel sich unsicher bzw. sah Donald Trump als nächsten Amtsinhaber. Gewählt hätten die ehemalige First Lady 92 % - 7 % hätten sich enthalten. Auf Trump entfiel beim SPEAK OUT keine einzige Stimme. Bis auf eine Ausnahme waren alle Anwesenden überzeugt, dass der Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen auch für Deutschland von Bedeutung ist. Obwohl fast drei Viertel von ihnen angaben, kein positives Bild von den USA zu haben, waren ebenso viele der Meinung, dass Deutschland weiterhin einer der engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten bleiben sollte. Knapp die Hälfte befürwortete auch, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehmen soll, militärisch und nicht-militärisch. Allerdings wurde in diesen Zusammenhang auf die als mangelhaft empfundene militärische und diplomatische Vorbereitung der Bundesrepublik auf eine gewichtigere Rolle in der Welt hingewiesen.

Ein dritter Themenblock befasste sich nach Vorschlägen der Teilnehmer mit dem Terrorismus. Nur ein Drittel der Abstimmenden gab an, sich nach den Anschlägen von Würzburg, München und Ansbach von Terrorismus bedroht zu fühlen; über die Hälfte fühlte sich dagegen nicht bedroht. Mehr als drei Viertel lehnten entsprechend auch mehr Überwachung als probates Mittel der Terrorbekämpfung ab, über 90 % auch eine Ausweitung der Befugnisse von Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und Polizei. Befürworter eines Einsatzes der Bundeswehr zur Terrorbekämpfung im Innern fanden sich nicht. In der Diskussion wurde klar, dass die jungen Leute in Fürth einen sehr pragmatischen Blick auf die Bedrohungslage haben: Eine freie Gesellschaft sei eben angreifbar, Freiheit aber einer Sicherheit aus Totalüberwachung vorzuziehen. Zudem sei es wichtiger, die Geheimdienste zu reformieren und auf Basis der geltenden Gesetze handlungsfähig zu machen, als immer neue Sicherheitsgesetze zu schaffen.

Im letzten Themenblick "Vermischtes" wurden dann noch einige Dinge klar deutlich: Einmütig wallen alle Teilnehmer der Meinung, dass Deutschland und Bayern keine "Leitkultur" brauchen. Auch das homosexuelle Paare gemeinsam Kinder adoptieren dürfen sollten, war unumstritten. Dass sie alle Themen differenziert betrachteten, machten die Versammelten dann nochmal am Beispiel der Drogenpolitik deutlich: Ohne Gegenstimme sprachen sie sich für die Legalisierung von Cannabis aus, am besten unter staatlicher Regie, um gesundheitsgefährdenden Verunreinigungen vorzubeugen und mögliche Gewinne dem Allgemeinwohl zukommen zu lassen. Die provokantere These, alle Drogen zu legalisieren, lehnte die Mehrheit klar ab: Über die Freigabe anderer "weicher" Drogen könne man zwar diskutieren; die Idee, eine Linie bei klar gesundheitsschädlichen Substanzen wie Methamphetamin oder solchen mit starkem Suchtpotential zu ziehen, fand aber prinzipielle Zustimmung.

Die anwesenden Vertreter der Fürther Jusos und insbesondere die teilnehmenden Fürther Juso-Stadträte versprachen, die Anregungen aufzunehmen und in die Fürther SPD bzw. den Fürther Stadtrat einzubringen. In Anbetracht der vielen Themen, die aus Zeitgründen nicht behandelt werden konnten, ist bereits eine weitere Ausgabe des SPEAK OUT im Herbst eingeplant.

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